Weihnachtliche Sternfahrt im Altenheim
Jos de Wit
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Die größten Unterschiede zwischen Altenheimen in Deutschland und Holland sind: Niederländische Altenheime sind einigermaßen bezahlbar, und in Holland wird besonders viel für die Bewohner (Verzeihung, heutzutage heißt es: Klienten) organisiert.

So bekommt meine Schwiegermutter jede Woche eine lange Liste mit Aktivitäten. Für die verflossenen Festtage hieß es: Erster Weihnachtstag von 9.30-10.30: Gottesdienst. Als wir an diesem Tag um 11 Uhr die Schwiegermutter besuchen wollten, liefen wir an der Kirche vorbei und sahen da noch einige Rollstühle mitsamt ihren Besitzerinnen stehen. Weil der Gottesdienst schon lange beendet war, verstand ich, dass man alle Hände voll zu tun hatte, alle Besucherinnen wieder zu ihren Zimmern zurückzurollen.

Da wir Frau Kanters, die bei meiner Schwiegermutter wohnt, erkannten, fragten wir den Pfarrer, ob wir sie mitnehmen sollten. Erstaunt fragte der Pfarrer: „Oh, ist das Frau Kanters? Aber selbstverständlich und vielen Dank.“ Also nahmen wir Frau Kanters mit. Sie protestierte laut, aber wir dachten, dass sie nicht von einem fremden Mann gefahren werden wollte.

Als die Zimmertür meiner Schwiegermutter geöffnet wurde, kam sofort die Frage: „Wer ist das?“ „Na, das ist doch Frau Kanters!“ „Nein, schau, die sitzt da!“ Die zuständige Betreuerin hatte keine Ahnung, wer die falsche Frau Kanters tatsächlich war. Also rollten wir diese wieder zurück. Aber die Kirche war völlig leer! Eine Betreuerin, die zufällig vorbeikam und Frau „Kanters“ auch nicht kannte, gab uns den Rat: „Gehen Sie zur Information, da kennt man alle oder fast alle!“

Leider gehörte Frau „Kanters“ zur Kategorie „Fast alle“, denn auch bei der Information hatte man keine Ahnung. Da es ein Feiertag war, konnten wir auch nicht zur Verwaltung gehen. Somit stellte sich die Frage: „Was jetzt?“ Die Dame an der Information kam auf die geniale Idee, dass alle Wäsche gekennzeichnet sei, damit sie nicht verwechselt würde. Also…
 
Ich kann nicht sagen, dass Frau „Kanters“ völlig ausgezogen wurde, aber erst zum Schluss fand man in der Unterhose ihren Namen. Als wir Frau „Kanters“ auf ihre Station brachten, war man sehr erleichtert. Allmählich war man in Panik geraten, denn Frau Hermans war nicht aus der Kirche zurückgekehrt. Sie war noch nicht so lange im Altenheim, und als man in der Kirche ankam, um sie abzuholen, war niemand mehr da.
 
So stellte sich mal wieder heraus, dass nicht jede gutgemeinte Hilfe wirklich hilfreich ist.
 
Jos