29.08.2013 - Reisebericht - Vietnam
Eckhart Försterling und Clothilde von Grafenstein sandten uns die folgenden Reiseberichte aus Vietnam.
  • Vietnam 1
  • Vietnam 2
Tab 1
Ihr Lieben alle!

Aus Vietnam schicken Euch Eckhart und Clothilde heiße und feuchte Grüße! - Wir wählten Vietnam als Reiseziel vor allem, weil wir von verschiedenen Seiten hörten, wie schön es sein soll. Auf der anderen Seite waren während unseres Studiums die Nachrichten voll von diesem Land als Kriegsschauplatz, an dem die Supermächte aufeinanderprallten.

Auf den ersten Blick sieht man kaum etwas aus dieser Zeit, sondern pulsierendes, geschäftiges, farbenfrohes Leben. Aber dann fiel unser Blick auf einen beinlosen Mann, der auf einem Rollbrett neben seinem alten beladenen Roller sitzend, sich von diesem ziehen ließ und mit einer Hand lenkte. Ein Straßenmusikant hatte fast keine Augen, andere verkrüppelte Arme.

In Saigon (Ho Chi Minh Stadt) gibt es ein beeindruckendes und bedrückendes Museum mit vielen Bildern aus dieser Zeit. Man fühlt sich aber als Europäer nicht unwohl, weil man das Gefühl hat, zumindest die vom Tourismus Lebenden begegnen uns vorurteilsfrei, gleichmütig und freundlich.

Saigon ist voller Gegensätze: Prachtstraßen, ein „Skytower“, schicke Cafés gegen kaputte Gehwege, manchmal auch vermüllt, Bauchläden und Ministraßenküchen.

Das wichtigste Fortbewegungs- und Transportmittel ist der Roller. Fast alle Fahrer und Beifahrer tragen helmartige Kappen oder Helme ohne Visier. Es ist erstaunlich, was man alles transportieren kann: sechs Meter lange Eisen, 10 Plastiktüten an jeder Seite, einen großen Gummibaum, riesige Bündel von Stroh oder unsere zwei großen Taschen, die eine hinten drauf, die andere vor dem Fahrer stehend und er drückt mit dem Kinn die obere Kante herunter, damit er etwas sieht. Es passen bis zu fünf Personen auf einen Roller!

Ein Abenteuer ist es jedesmal, eine breite Straße zu überqueren. Es gibt keine Fußgängerampeln. Im Führer steht, man muss einfach losgehen, und wir sahen die anderen Fußgänger mitten durch den Pulk Roller gehen. Es funktioniert wirklich: man geht mutig, schaut die Fahrer an und sie umschiffen einen vorn oder hinten.

Genau so wie sich auf der Straße die Knäuel wie durch ein Wunder immer wieder auflösen, ging es mit den Booten im Mekong Delta auf einem engen Kanal, wo angelegt, losgefahren und passiert wurde.

Auf einer Insel liehen wir uns ein paar Mal einen Roller aus. Die erste Fahrt war gleich eine Feuertaufe, weil eine normale Straße mitten in einem Marktgebiet auf einmal gesperrt war und der Strom der Roller sich in beiden Richtungen durch gewundene, schmale Wege zwängte, immer wieder mit Fußgängern oder Fahrradfahrern dazwischen. Eckharts Mopederfahrung als Jugendlicher war sehr wertvoll! Eine andere längere Fahrt ging bei Regen über zerfurchte Matschwege!

Zur Zeit sind wir in Hanoi und wohnen in der Altstadt, wo Geschäft an Geschäft liegt und jede Straße ihren Schwerpunkt hat, z. B. bunteste Dekorationen oder silbern glänzende Haushaltsgegenstände. Gestern ließen wir uns mit dem „Cyclo“ kutschieren und besuchten eine Vorstellung im Wasserpuppentheater.
 
Wir wünschen Euch einen schönen Spätsommer und grüßen Euch noch einmal herzlich,

Eckhart und Clothilde

Foto unten: Saigon - weitere Fotos gibt es hier
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Tab 2
Ihr Lieben alle!
Heute sind wir den letzten Tag in Vietnam, bevor es morgen über Koala Lumpur nach Perth geht.
 
Es waren erlebnisreiche vier Wochen hier.
Wir starteten in Ho Chi Minh Stadt (früher und für die Innenstadt immer noch Saigon) und fuhren, eingequetscht in zu enge Sitze (wir können jetzt nachfühlen, wie es den sehr Großen bei uns geht) mit dem Bus ins Mekongdelta, ein Gebiet so groß wie Bayern und dicht besiedelt. Dort bewegten wir uns auf verschiedenen Schiffen vorwärts und übernachteten dicht und fast über dem Wasser.
Auf der Insel Phu Qoc, südlich von Kambodscha, hatten wir drei ruhige Tage, bevor wir nach Hanoi in den Norden flogen. Bilder davon waren im 1. Bericht. Von dort macht „man“ zwei Ausflüge, einen ganz in den Norden bis an die chinesische Grenze (im ratternden Schlafwagen, der für ca. 400 km fast 12 Stunden braucht) und besucht einen Sonntagsmarkt, bei dem man Minoritäten in ihren bunten Trachten bestaunen kann. Sapa liegt in den Bergen, und man hat immer wieder wunderschöne Blicke auf die unterschiedlich grünen Reisterrassen. Der andere Ausflug geht in die berühmte Halong Bucht (mit dem Bus 4 Stunden auf sehr holpriger Straße, oft noch im Bau), in der 2 000 Karstfelsen aus dem Wasser ragen. Meistens sind sie nebelverhangen, aber wir hatten mit zwei Tagen Sonne auf einem Holzschiff in netter kleiner Gesellschaft und mit sehr guter Verpflegung großes Glück.
Auf dem Weg vom Norden wieder zurück in den Süden nach Saigon (mit dem Flugzeug) machten wir zwei Mal Station, einmal in Da Nangh, um von da aus in die nur 200 Jahre alte Kaiserstadt Hue und in die Bilderbuchstadt Hoi An zu fahren. Der Kaiserpalast von Hue hat durch den Krieg sehr gelitten. Er ist teilweise restauriert, aber immer noch voller Gegnsätze von Prunk und Zerstörung. In Hoi An genossen wir es, durch die Gassen mit den schönen Holzhäusern zu schlendern und am Fluss zu sitzen und die Fährboote zu beobachten.
In Nha Trang machten wir vier Tage Badeurlaub. Man konnte den Eindruck haben, man sei in einem russischen Badeort, denn die meisten Touristen sind Russen und wir konnten die Anzeigetafeln kaum entziffern. Das Meer war sehr warm, so dass es keine Abkühlung bedeutete, aber man konnte sehr lange drinbleiben und hinterher kühlte der Wind die nasse Haut ein bisschen. Einen schönen Erholungstag verbrachten wir in einem Thermalbad mit Schlammbecken.
Von den vielen Tempeln der verschiedensten Religionsrichtungen, die wir besucht hatten, ein paar Worte zur taoistischen Pagode des Jadekaisers, zu dem wir gestern einige Kilometer durch die Stadt gelaufen sind: Von der geschäftigen Straße betritt man den Tempelbezirk durch einen ruhigen, Innenhof mit Bäumen und Brunnen. In diesem „Schildkrötenheiligtum“ wird eine Riesenschildkröte und Hunderte von kleineren gehalten. Man kann sich auch eine kaufen und mit einem Wunsch beschriftet zu den anderen in den Teich hinunter werfen. Über mehrere Räume mit Altären geht es nach hinten zum Hauptheiligtum. Der hier sitzende Jadekaiser ist der höchste Gott, der einen in den Himmel lässt – oder in eine der 10 Höllen verdammt, drastisch dargestellt im Nebenraum. Hier gab es sogar noch ein Obergeschoss mit Dachterrasse. Neben den Räucherstäbchen und den großen Rauchspiralen, die es manchmal gibt und die ein ganzes Jahr lang brennen, spielen die Essensopfergaben eine große Rolle. Das kann Obst, ein gekochter Hahn, aber auch Cola und Bier oder Zigaretten sein.
 
Bis jetzt hatten wbeiir Glück mit dem Wetter. Bei den fast täglichen Regengüssen waren wir immer gerade unter Dach und Fach, als es anfing zu schütten. Es bleibt warm, auch wenn es regnet, und oft war es so heiß, dass Eckhart gelitten hat. Er schwitzte wie in der Sauna, kurz bevor er rausgeht, aber er musste bleiben! Wenn er sein T-Shirt ausziehen wollte, klebte es so am Rücken fest, dass ich ihm helfen muste.
Auffallend ist, dass die Bevölkerung hier sehr jung ist. Ein paar Mal wurden wir von Paaren oder Gruppen von jungen Leuten sehr nett angesprochen (ohne dass jemand etwas verkaufen wollte!!!), weil sie ihr Englisch anwenden wollten. Schön waren auch Blicke, wenn wir uns mit den Essstäbchen abmühten oder versuchten, un humorvolle sere Beine an den Minikindertischen und -stühlen unterzubringen. In einem Hotel waren die Angestellten anscheinend nur auf einheimische Geschäftsleute eingestellt und konnten uns nicht helfen, dafür sprang ein Gast ein, beriet uns und dolmetschte sogar mit dem Taxifahrer. In allen anderen dagegen wurden wir sehr gut und freundlich beraten und bekamen viele gute Tipps. Auch mit den Menschen, die uns mit verschiedenen Mitteln transportiert haben, machten wir die unterschiedlichsten Erfahrungen: Meistens ging es glatt, obwohl wegen der Sprachschwierigkeiten keine Kommunikation möglich war. Es gab aber auch welche, die während der Fahrt Führer machten, von sich erzählten und sich für uns interessierten. Bei „Germany“ hatten sie immer „football“ parat. Zwei Rollerfahrer hauten uns übers Ohr, indem sie einen großen Umweg fuhren und entsprechend verlangten, und ein Taxifahrer setzte uns in der richtigen Straße, aber fünf Kilometer weit weg ab. Bis wir es merkten, hatten wir uns in engen Gassen total verloren, wurden aber von einem netten Anwohner zurück zur Hauptstraße gebracht und angewiesen, in welche Richtung wir die fünf Kilometer zurückfahren sollten.
 
Diese vier Wochen konnten wir uns prima mit dem einheimischen Essen ernähren und aßen fast immer mit Genuss z. B. die berühmte Nudelsuppe (Pho, auch zum Frühstück), Reisgerichte und Fisch. Nur die nicht frittierten Frühlingsrollen hingen uns irgendwann zum Hals heraus.
 
Als letztes noch ein paar Eindrücke über Geräusche:
Am auffallendsten war für uns, dass überall, auch mitten in der Großstadt frühmorgens, aber auch oft am Tag ein Hahn kräht.
Das andere sind die Hupgeräusche: Autos gegen alle, Roller gegeneinander, gegen Fahrradfahrer und Fußgänger. Bei Autos heißt das Hupen grundsätzlich: geh weg. Bei den Rollern heißt es auch oft: Achtung, ich komme. Ein Busfahrer war extrem: Ob jemand in der Nähe war oder nicht, er hat permanent auf seine mehrtönige, laute Hupe gedrückt.
Und schließlich die Sprache: Wenn Vietnamesen laut reden, klingen die vielen „As“ und „Äs“ oft so, als ob sie streiten würden. Am Lachen merkt man dann, dass es nicht so ist.
 
Auf Wiedersehn aus Vietnam!
Viele liebe Grüße
von Eckhart und Clothilde

Zu diesem Bericht gehört eine zweite
Serie wunderschöner Fotos.