10.12.2014 - Eckhart Försterling + Clothilde von Grafenstein


Unsere Mexiko-Reise

 

Ihr Lieben,
 
unsere Mexikoreise neigt sich schon dem Ende zu, aber erst jetzt haben wir genügend Ruhe und Muße, Bilder zu sortieren und zu schreiben.


Eckhart und Clothilde
  • Teil 1
  • Teil 2
  • Teil 3
  • Teil 4
  • Teil 5
  • Teil 6
  • Teil 7
Tab 1
1. Teil

Wir begannen in Mexico City, wo eine Cousine von mir mit ihrem mexikanischen Mann und ihrer Familie lebt. Das ist natürlich ein Glücksfall, und ohne die touristischen und vor allem praktischen Hinweise hätten wir uns nicht so problemlos in dieser Mammut – Stadt von mindestens 22 Millionen Einwohnern zurecht gefunden. Auch so war es immer noch ein Abenteuer, z. B. wenn man sich in schon übervolle Züge hineinquetschen musste. Obwohl die Stadt voller Unruhe wegen der 43 verschwundenen Studenten war, wir viele Demonstrationen miterlebten und leider auch Museen deswegen geschlossen waren, fühlten wir uns sicher.

Höhepunkte unseres Aufenthaltes in der Stadt waren
  • das Museum für Anthropologie, zu dem wir ein eigenes Email schreiben wollen,
  • das Leben auf den Straßen,
  • eine Führung von Agustin durch den alten Teil des Universitätsgeländes, gebaut um 1960 und Unesco Weltkulturerbe,
  • die Museen mit mexikanscher Malerei, vor allem Diego Riviera und Frida Kahlo,
  • eine geruhsame Bootsfahrt in wunderschöner Natur auf einem Kanalsystem mitten in der Stadt, Xochimilco, mit Sofia und ihrem Hund Lukas,
  • der Besuch der ehemaligen Residenz des letzten Kaisers Maximilian und der Präsidenten nach der Unabhängigkeit, Chapultepec.

Siehe dazu auch die entsprechenden Fotos

Tab 2
Zum 2. Teil von Mexico City
 
Hier haben wir ein paar von den vielen beeindruckenden Objekten aus zwei Museen ausgesucht.
Die ersten vier sind aus dem Museum vom Templo Mayor, den die Spanier nach dem Sieg über die Azteken zerstörten. Sie überbauten Pyramiden, den riesigen Tempelbezirk und die ganze Stadt mit den alten Steinen. Die Kathedrale oder der Palacio Nacional entstanden daraus. Jetzt kann man direkt neben der Kathedrale zwischen den ausgegrabenen Ruinen der alten Stadt herumgehen.

Die anderen Bilder stammen aus dem Museo Nacional de Antropologia und stammen von ganz verschiedenen Kulturen. Bei uns spricht man meist nur von den Azteken aus der Gegend von Mexico City und den Mayas aus Yucatan, aber es gibt ganz viele andere, die verschiedene Blütezeiten zwischen 600 und 1500 nach Christus hatten. Auch heute noch gibt es neben dem Spanisch viele einheimische Sprachen; gerade heute hörten wir von einem Einheimischen, dass es 56 seien.

In diesem modernen und sehr beeindruckenden Museum hat man fast alles Bewegliche von den verschiedenen Ausgrabungen aus ganz Mexiko gesammelt. Erst in letzter Zeit werden die neuen Funde dort belassen, wo man sie ausgegraben hat. Manche der großen Figuren hat man sogar mehrfach transportiert.

Interessant ist die Geschichte der großen Sonnenscheibe, Bild 08. Die Azteken vergruben sie, bevor sie ihre Stadt verließen so gut, dass sie erst 200 Jahre später zufällig unter dem Zocalo, dem Hauptplatz, gefunden wurde. Man montierte sie (sie hat an die vier Meter Durchmesser) Ende des 18. Jahrhunderts in einen der Türme der Kathedrale. Der einsetzende gewaltige Besucherstrom war der katholischen Kirche aber so suspekt, dass sie wieder heruntergeholt wurde, und jetzt einen zentralen Raum im Museum einnimmt.

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Tab 3
 Ausflüge von Mexico City aus
 
Unter der fachkundigen Leitung von Hanni, einer Historikerin, machten wir an den Wochenenden wunderschöne Ausflüge. Ohne unsere Gastgeber mit ihrer Ortskenntnis wären diese nicht möglich gewesen, denn bis an den Stadtrand mussten wir uns mit vielen Millionen Autos mindestens eine Stunde lang bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 kmh in trägen Schlangen durch die Stadt bewegen.
 
Unser erstes Ziel war der hoch oben auf einem Bergplateau gelegene Tempelbezirk von Xochicalco, Blütezeit schon um die Jahrtausendwende. Besonders interessant dort ist das Observatorium. Man hatte ein mehrere Meter hohes Loch im Gemäuer gebaut, durch das bei der Tagundnachtgleiche ein Sonnenstrahl bis auf den Boden fällt. In Xochicalco trafen sich alle 52 Jahre die Astronomen aller Kulturen aus der weiteren Region, um sich über ihre Zeitmessung auszutauschen.
Nach einem guten Abendessen in Tepoztlan war die Eisdiele mit 100 Sorten eine weitere Attraktion.
 
Während wir in Xochicalco fast alleine waren, hatten wir am Sonntag in Teotihuacán ein Bad in der Menge. Wegen des starken Andrangs und stundenlangen Schlangestehens verzichteten wir darauf, die 60 Meter hohe Sonnenpyramide zu erklimmen, und gaben uns mit der Mondpyramide zufrieden. Dafür ist der Blick von dort über die zwei Kilometer lange Reihe von Ruinen umso schöner. Wir waren inmitten mexikanischen Familienlebens, denn am Sonntag ist der Eintritt für die Einheimischen frei, und Hunderte von Händlern bieten alles Mögliche zwischen den Tempeln an. Neben schrillen Kinderpfeifen wurden kleine Tongefäße verkauft, mit denen Groß und Klein ein furchterregendes Jaguarfauchen erzeugen konnten. Obwohl die Hauptstraße Straße der Toten heißt, war es alles andere als totenstill.

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Tab 4
Ausflug nach Puebla und Cholula
 
Dieser Ausflug führte uns nicht zu Pyramiden und Ruinen, sondern vor allem in zwei schöne Städte.
Obwohl wir hofften, dass am Wochenende weniger Verkehr ist, brauchten wir sehr lange, um aus der Stadt zu gelangen.

Als wir uns im königlichen Café (Royal) am Hauptplatz von Puebla, einer Millionenstadt, von der Fahrt erholten, wurde uns direkt vor unserem Tisch ein Umzug mit Musik und Tanz geboten. Vor der Kathedrale gab es Theater und in zwei Kirchen wurde geheiratet, ein Mal betont vornehm, ein Mal normal. In der berühmten Bibliothek mit sehr alten Handschriften konnte man sich von dem bunten, lauten Treiben erholen.

Nicht weit von Puebla liegt Cholula, ein kleines Städtchen, das gleich zwei außergewöhnliche Kirchen hat. Die eine wurde gleich nach der Eroberung auf eine Pyramide am Rand der Stadt gebaut, um den Triumph der christlichen Kirche über den alten Glauben sichtbar zu machen. Die zweite in der Stadt hatte die größte „offene“ Kapelle, die inzwischen mit vielen Pfeilern überbaut wurde und an Cordoba erinnert. Es ist unsicher, ob die gerade bekehrten Mexikaner nicht in den geschlossenen Kirchenraum wollten oder durften.

Auch das dritte Ziel war eine Kirche, die von Tonancintla, einem Dorf nicht weit von Cholula. Hier haben Einheimische in ihrer wie naive Malerei anmutenden Art die Kirche ausgeschmückt, innen über und über mit Engeln, Blumen und Tieren, und auch außen ist sie mit Figuren in diesem Stil verziert.

Am Abend tat uns der aktive Vulkan Popocatépetl (5400 m hoch) den Gefallen und enthüllte sein Haupt, während seine schlafende Schwester Iztaccíuatl (heißt „schlafende Frau“, 5200) umwölkt blieb. Vor ein paar Tagen hat der Popo, wie die Mexikaner ihn nennen, wieder eine 800 m hohe Rauchsäule in den Himmel geschickt und kleinere Beben verursacht.
 
So, das war's vom ersten Teil unserer Reise. Wenn uns der Strand und das karibische Meer in den letzten Tagen vor unserem Rückflug Zeit lassen, werden wir Euch noch ein paar Fotos von unserer Rundreise durch Yucatan schicken.

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Tab 5
Yucatan Rundreise
 
Von Mexico City aus flogen wir nach Cancun, wo wir ein Auto mieteten. Cancun war die erste Station einer 12 – tägigen Rundreise, die uns an 12 Ruinenstätte führte.Das klingt nach vielen grauen Steinen und es war auch so.

Aber allmählich sahen wir die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen
- den Pyramiden, (abgerundete und eckige, mit und ohne Aufbauten, abgestuft oder glatt),
- den Tempelbauten (auf Säulen ruhend, mit verschiedenen Fassadenverkleidungen, mit Grab),
- den Palästen (mit Türmen, einmal sogar drei, mit noch erhaltenen Kammern, mit Innenhöfen),
- den Wohnhäusern und
- den Ballspielplätzen.

Unsere erste Stätte, Coba, war so weitläufig, dass wir uns ein Fahrrad mieteten und wir damit durch den Wald fuhren, der sich immer wieder öffnete. Wenn man die steilen Stufen erklommen hatte, bot sich ein weiter Blick über den dichten Dschungel, aus dem einen Kilometer enfternt eine andere Pyramidenspitze herausschaute. Ganz anders ist der Eindruck in Chichen Itza: Auf weiten grünen Flächen, getrennt von Wäldchen, erheben sich die beeindruckenden, oft gut erhaltenen Bauwerke aus hellen Steinen. In dieses grün – weiße Bild mischen sich nicht nur die vielen Touristen, sondern vor allem die Hunderte von Händlern, die alle Wege zwischen den Anlagen, mit ihrem bunten Angebot säumen.

Sehr abwechslungsreich wurde unsere Reise dadurch, dass wir nicht nur die Ruinen sahen, sondern auch sehr schöne mexikanische Städte, wie Valladolid, Uzamal, Campeche und vor allem Merida.
Die Autofahrt und der Verkehr waren (bis jetzt!) problemlos und die Straßen recht gut, aber es können unverhofft tiefe Schlaglöcher auftauchen, denen man besser ausweichen sollte. Sehr lästig und nervtötend sind allerdings die vielen „Topes“, Schikanen oder liegende Polizisten. In jeder kleinen Ortschaft gibt es mindestens alle 200 m einen Hügel, eine Eisenschiene oder zwei tiefe Rinnen, über die man wirklich im Schritttempo schaukeln muss, sonst sitzt man auf.

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Tab 6
2. Teil Yucatan

In Merida, der Hauptstadt der Provinz Yucatan, hatten wir zwei Tage in einem besonderen Hotel, einem ehemaligen Kloster, ganz nah am Hauptplatz. Wir genossen die lebendige, freundliche, abends quirlige Stadt mit Musik und Tanz und kauften in einer Mayacooperative ein. Beeindruckend war das neu eröffnete Mayamuseum mit seiner Architektur und mit den wirkungsvoll präsentierten Exponaten.

Uxmal war ein weiterer Höhepunkt eines ausgedehnten und recht gut erhaltenen Tempelbezirks, in dem es am Abend ein schön kitschige Lichtschau gab mit Dramatik hoch zwei in Wort und Musik.
In Campeche, einer Kleinstadt mit geschlossener Stadtmauer, trafen wir das erste Mal auf den Golf von Mexico, aber das Meer war nicht sehr karibisch, sondern sehr seicht und nicht geeignet zum Baden. Am Abend erlebten wir die Eröffnung des „weihnachtlich“ über und über lichtergeschmückten Hauptplatzes mit. Die Einheimischen waren über eine Stunde vor den noch geschlossenen Toren gestanden und drängten dann in Scharen hinein.

Auf dem Weg nach Palenque weiter im Süden fuhren wir kilometerlang durch Sumpfgebiete, begleitet von Gräben mit den schönen Seerosen.

Als wir abends (noch vor 6 Uhr, aber schon stockdunkel) in Palenque auf dem Balkon saßen, hörten wir seltsame Geräusche, die sich als das sehr laute Schreien von kleinen Brüllaffen herausstellten.

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Tab 7
Yucatan, Chiapas und Quintana Roo

Es war gut, dass wir auch in Palenque zwei Mal übernachteten, denn beim ersten Besuch in der großen, sehr schön am Anstieg von Hügeln gelegenen Ruinenstadt wurden wir pitschnass. Auch Palenque liegt mitten im Dschungel, und man sieht, dass die freien Flächen nur mühsam vom Überwuchern freigehalten werden, und aus den Steinen wachsen immer wieder Bäume und Palmen heraus.

Bei den letzten Ruinenstädten hatten wir Mühe, uns zu motivieren, waren dann aber froh, es gemacht zu haben, weil uns immer etwas ganz Besonderes überraschte: in Chicanna ein sehr gut erhaltenes Tor, dessen Umrandung ein Gesicht und dessen weit offener Mund der Eingang ist oder in Kohunlich ein 18 m langer Fries oben an einem Tempel, den man jetzt mit einem ganzen Bau „eingehaust“hat und den ein Wächter nach jedem Besucher wieder absperrte.

Nach 12 Tagen waren wir nach unserer Rundreise wieder in Tulum angelangt, eine kleine Ausgrabungsstätte, die jedoch ganz besonders schön liegt: direkt am Meer. Dort in der Nähe durften wir uns noch einige Tage in einer großen Hotelanlage erholen und freuen uns jetzt auf unsere weihnachtliche Heimat und vor allem darauf, die Familie wiederzusehen.

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Mit vielen Grüßen

Eckhart und Clothilde