25.04.2015 - Jos de Wit

Einmal Holländer - immer Holländer:
Radfahren in Yogyakarta/Indonesien


Begibt man sich in Indonesien in den Straßenverkehr, sollte man Folgendes wissen:
  • Es gibt keine Verkehrsregeln.
  • Wer als Erster auf eine Kreuzung kommt, hat grundsätzlich Vorfahrt.
  • Kommt man gleichzeitig mit anderen auf eine Kreuzung, hat das älteste Auto Vorrang. Stadtbusse nehmen sich grundsätzlich immer die Vorfahrt und bekommen diese auch.
  • Dazwischen kurven unzählige Motorräder mit bis zu fünf Personen herum, beladen mit Körben voll Eiern, Hühnern, lebenden Ziegen oder Früchten.
  • Dann gibt es noch die Bejacs für den Personentransport
  • Und schließlich laufen dann auch noch unzählige Verkäufer auf der Straße herum, die versuchen, Bananen, Zeitungen oder Saté loszuwerden.

All das war uns bewusst, aber als wir am Abend zuvor gesehen hatten, dass auf der Fahrbahn Fahrradwege markiert waren, beschlossen wir trotzdem. mit dem Rad zu einem Museum zu fahren.

“Bikes, no motor?“, wurde erstaunt nachgefragt als wir die Fahrräder mieten wollten. “Yes, bikes“, war meine Antwort. Gut, es war früh am Morgen schon 28° C im Schatten, aber wenn wir ein bisschen langsamer führen, sollte die Temperatur kein Problem sein.

Was wir am Abend zuvor nicht gesehen hatten: Tagsüber benutzen vier Motorräder nebeneinander den Fahrradweg. Der Platz reicht auch für anderhalb Autos. Ein LKW dagegen schafft es nicht ganz, auf dem Radweg zu parken. Aber das Viertel, das nicht darauf passt, macht die Sache umso gefährlicher: Wenn wir einen derart geparkten LKW passieren wollten, mussten wir uns auf die „echte“ Fahrbahn begeben - nicht ganz ungefährlich bei mindestens fünf Fahrzeugen nebeneinander.

Schon nach dem ersten Versuch war klar, dass man einen Zebrastreifen nie benutzen sollte. Auch wenn die Ampel Grün zeigte, war man seines Lebens nicht sicher. Motorradfahrer - und von denen gibt es viele - sind grundsätzlich nicht bereit, mit Leuten zu rechnen, die ihnen nur im Wege sind.

Also mussten wir uns einen Trick ausdenken, und den fanden wir schnell: Man fährt einfach gleichzeitig mit einem Bejacfahrer über die Kreuzung. Wie diese Fahrer es schaffen immer ohne Probleme die Strasse zu überqueren, ist mir noch immer schleierhaft, aber es funktioniert.

Schließlich erreichten wir so eine Kreuzung, an der fünf Straßen zusammenkamen. Wir hatten wieder einen Bejacfahrer gefunden, aber der bog plötzlich ab und somit standen wir mitten auf der Kreuzung. Wegen uns mussten alle Verkehrsteilnehmer halten - etwas, was ein motorisierter Indonesier grundsätzlich nie macht. Aber jetzt war man durch diese beiden Holländer dazu gezwungen, und so stand der gesamte Verkehr still. Alle Autos und Motorräder fingen sofort an zu hupen, aber erstaunlicherweise nicht aggressiv, sondern fast fröhlich. Die Fahrer lächelten dabei freundlich. Vom Straßenrand kam jemand mit einer Trillerpfeife angelaufen. Eigentlich gibt es in Indonesien nur zwei Möglichkeiten voranzukommen: Entweder man hat ein Motorrad oder eine Trillerpfeife. Pfeifend lotste der hilfreiche Mensch uns zum Straßenrand. Es dauert ein Weilchen, bis sich das Chaos aufgelöst hatte. Aber die Fahrer, die uns noch am Straßenrand stehen sahen, winkten uns lachend zu.

Das Hotel haben wir wieder unversehrt erreicht, aber danach sind wir vorsichtshalber immer mit einem Bejac oder mit dem Bus gefahren.

Jos de Wit



Auf dem linken Foto sollte eigentlich Alice irgendwo zu finden sein. Übrigens: Diese Fahrbahn hat nur zwei Fahrstreifen. Das rechte Foto zeigt, dass in einem Bus beinahe alles verboten ist. Nicht einmal festhalten darf man sich.

Stacks Image 1583
Stacks Image 1585