Christine Muck
Der Alte Kanal - Ludwig-Donau-Main-Kanal
Ein kleiner Einblick in ein Juwel - nicht nur zur Corona-Zeit
Zuerst ein bisschen Geschichte:
Erbaut wurde die Wasserstraße zwischen Bamberg und Kelheim von 1836 bis 1845 unter Ludwig I, König von Bayern, um eine schiffbare Verbindung unter Einbeziehung von Donau und Rhein zwischen dem Schwarzen Meer und der Nordsee herzustellen. Der Kanal war 173 km lang und benötigte zur Überwindung der Höhenunterschiede (187 m zum Main) genau 100 Schleusen.
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Quelle: Stadtarchiv Fürth – Fotograf: F. Vitzethum

Kanalschiffe mit bis zu 100 t Fracht wurden bis zur Jahrhundertwende von Pferden gezogen, was auch als ‚Treideln‘ bezeichnet wird. Damit die Pferde sicher gehen konnten, wurden rechts und links neben dem Kanal Pfade angelegt.
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Der Ludwig-Donau-Main- Kanal ist auch ein ‚Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst‘. Dies wurde dokumentiert an einem herausragenden Einzelbauwerk – dem Brückkanal bei Schwarzenbruck in der Nähe von Nürnberg. Hier überquert der Ludwigskanal auf einem Bogendach mit einer Länge von 90 m die Schwarzach. Das Innere der Brücke ist hohl. Die entstandene Halle (20 m Länge, 12 m Höhe) hat eine gigantische Akustik!

Brückkanal über die Schwarzach

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Zum prägenden Bild des Kanals gehören auch die Schleusenwärterhäuschen.
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Schleuse 70

Pechmann - Planer und Gestalter der Wasserstraße - und Klenze - Vorstand der Obersten Baubehörde - planten, nicht ganz reibungsfrei, die Häuschen.

Die Schleusenwärter hatten die Aufgabe, sich um die Aufrechterhaltung der Schifffahrt und um die Pflege der Obstbäume entlang der Pfade zu kümmern. Die Häuschen sind jetzt fast alle in Privatbesitz. Gerne auch von Künstlern und Freischaffenden bewohnt, weil viele sehr idyllisch liegen und der große Garten gestaltet werden kann.

Heute gehört der verbliebene Kanal (u.a. um Nürnberg ca. 40 km) den Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Legendäre Gartenwirtschaften und Häusle sind an den Treidelwegen zu finden.

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Weißes Häusle in der Gartenstadt

Besonders jetzt während der Coronazeit ist dieses Idyll von den ‚Stadtleuten‘ sehr bevölkert. Dies sehen die Gartenstädtler, das sind Menschen wie ich, die am Kanal groß geworden sind, nicht so gerne. Wir haben wunderbare Kindheitserinnerungen. Für uns war der Kanal im Sommer eine lange Badewanne und im Winter eine gigantische Schlittschuhbahn. Gartenstädtler erkannte man daran, dass sie alle sehr früh schwimmen konnten und sobald man stehen konnte, auch Kufen an den Schuhen hatten.

Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr und hoffentlich bald ein coronafreies Wiedersehen!

Christine