Herbsturlaub an der Algarve (Portugal)
Ende September haben wir uns uns kurzfristig für eine Reise an die Algarve entschieden - in der Annahme, dass dann dort die größte Sommerhitze vorbei sei.

Unser Flieger landete in Faro (mittlere Algarve), mit einem Mietwagen ging es weiter. Dank der gut ausgebauten Autobahn und unseres Navis kamen wir ohne Probleme zu unserem Ferienort Alporchinhos, ca. 60 km westlich von Faro. Auf den Autobahnen ist das Fahren sehr angenehm, wenig Verkehr, keine Raser (max. 120 km/h) , auf den übrigen Straßen kaum Ampeln, sondern überall Kreisverkehr.

Unser Häuschen lag in einer Siedlung, ca. 700 m vom Meer entfernt, inmitten von Grünflächen (Bild 1). Unser erster Blick galt dem Atlantik (Bild 2) und wir entdeckten gleich einen schönen Badeplatz. Da das Wasser außergewöhnlich warm war (ca. 25°C), konnten wir täglich im Meer baden. Wir hatten die ganze Zeit Sonnenschein, aber es war auch dort für die Jahreszeit zu heiß, Temperaturen bis 35˚C.

Am nächsten Tag ging es nach Westen, wir besuchten Portimao, das schon für Phönizier, Griechen und Karthager ein wichtiger Handelsknotenpunkt war, und im Abendlicht das malerische Ferragudo (Bild 3).

Tags darauf ging es wieder in westlicher Richtung, nach Lagos, gerne die "Perle der Algarve" genannt. Am Ufer des Rio Bensafrim gelegen, hat auch dieses hübsche Städtchen eine große Vergangenheit. Mit Heinrich dem Seefahrer begann hier 1415 das Zeitalter der Entdeckungen. Ein unrühmliches Zeugnis der Vergangenheit ist das ehemalige Zollhaus (Bild 4), wo 1444 der erste Sklavenmarkt stattfand. Seefahrer hatten schon 1433 afrikanische Sklaven nach Portugal gebracht. Ein sehenswertes Ziel südlich von Lagos ist die Ponta da Piedada, eine Landzunge mit spektakulären Felsformationen (Bild 5).

Der Parque Natural da Ria Formosa erstreckt sich in Ost-West-Richtung über 60 km entlang der gesamten Küste westlich von Faro bis zur Ostalgarve. In diesem Naturpark mit großen Feuchtgebieten (Bild 6) bietet ein Lehrpfad Gelegenheit zum Birdwatching: Störche, Graureiher, Purpurhühner, Brachvögel, Mövenarten... Fasziniert hat uns hier auch eine ehemalige Gezeitenmühle. Portugal deckt heute seinen Energiebedarf zu 100 % aus Wind- und Wasserkraft, produziert sogar mehr Strom als es verbraucht.

In Silves zeugen die Burg (Bild 7) und die Casa da Cultura Islamica e Mediterranea von der Präsenz der Mauren. Im Hinterland an einem Flusshafen erbaut, wurde Sives schon im 8. Jahrhundert Stützpunkt der Mauren und im 11. Jhd. Hauptstadt der Algarve. Es war ein Zentrum der blühenden Kultur des Islam, bis es dann im 13. Jh. von den Truppen der Christen erobert wurde.

Unsere Fahrt in den äußersten Westen führte uns zu den eindrucksvollen Felsformationen der Ponta de Sagres (Bild 8); von dort hat man eine großartige Aussicht auf das legendenumwobene Cabo de São Vicente, der südwestlichsten Spitze Europas. An diesem meerumpeitschten Kap mit den unwegsamen Felsformationen fühlt man sich buchstäblich wie am Ende der Welt. In der Igreja de São Vicente de Fora sollen die Überreste des heiligen Vinzenz (4. Jh.) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Er wird in Portugal als Schutzheiliger des Weins und der Seefahrt verehrt.

Loulé liegt im Landesinneren, auch hier waren im Mittelalter Mauren ansässig; ein "neomaurisches" Bauwerk ist die Markthalle (Bild 9). Hier gibt es neben Obst, Gemüse und Backwerk an zahlreichen Ständen die verschiedenen Muscheln und Meeresschnecken, von Tintenfischen, Sardinen bis zu Schwert- und Tunfischen - sensationell. In der umgebenden Hügellandschaft liegen beschauliche Dörfer. Die kalkweiß getünchten Häuser sind maurisches Erbe und prägen das Bild vieler Orte.

An unserem vorletzten Tag besuchten wir Tavira in der Ostalgarve, an der Mündung des Rio Sequa gelegen. Der Stadtbummel, ausgehend von der Praϛa da Repùblica, führte uns zum Castelo von Tavira, einer kleinen, zinnengekrönten Burganlage aus dem Mittelalter, und zur Ponte Romana, der siebenbogigen "Römerbrücke" (Bild 10); sie wurde im 17. Jhd. erbaut, durch das große Erdbeben 1755 zerstört und 1870 wieder aufgebaut. Das Erdbeben vom 1. November 1755 zerstörte nicht nur die Hauptstadt, sondern auch weite Landesteile, besonders an der Algarve. Man stößt dort immer wieder auf Spuren dieser verheerenden Naturkatastrophe.

Ein Höhepunkt unserer Reise war die Igreja da São Lourenϛo (Bild 11) in der Nähe von Faro. Das kleine Bauwerk ist einschiffig, fast fensterlos und, bis in die Bögen und Kuppeln hinauf, über und über mit Azulejos bedeckt. Azulejos sind die für Portugal typischen Keramikkacheln. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben des heiligen Vinzenz, Blüten, Kelche, Trauben, Engel... in Blauweiß-Tönen.

Der Besuch der Ausgrabungen einer römischen Villa in Milreu rundete unsere Algarve-Tour ab. Das dort gefundene Mosaik (Bild 12) machte uns Appetit auf Fisch. Am letzten Abend gönnten wir uns noch einmal ein herrliches Fischessen in unserem Lieblingsrestaurant am Meer. Wir brachen in Faro bei großer Hitze (über 30˚C) auf und kamen in München bei 11˚C an. Ohhh! Obrigada Portugal für diesen schönen Urlaub!

Marianne Müller