Chris van de Runstraat
Tawarren 2
Jos' Beitrag über das Tawarren rüttelte bei mir eine Erinnerung aus meiner Jugend wach.

Wir wohnten damals in Surabaja, der zweitgrößten Stadt von Indonesien. Der Kolonialkrieg war zu Ende, und die Indonesier konnten ab 1949 selbst ihre Zukunft bestimmen. Die Königin und die Holländer wurden nach wenigen Jahren überflüssig. Beides hatte Folgen: Die Königin war nicht mehr Staatsoberhaupt, also war von jedem Geldschein nur noch eine Hälfte gültig. Diese hatte dann auch nur noch den halben Wert des Zahlungsmittels. Die andere Hälfte mit dem Bildnis der Königin musste man abschneiden; diese war wertlos. Bankguthaben wurden ohne „Schneiderei“ gratis halbiert.

Die zweite Folge war, dass wir per Schiff zurück in die Heimat mussten. 1951 verabschiedeten wir uns als letzte Weiße in der Straße von unseren indonesischen Nachbarn und machten uns reisebereit. Am Ende waren noch einige Sachen übrig, die nicht eingepackt oder verschenkt worden waren. Darunter ein großer Kochtopf. In der Hektik des letzten Tages wurde ich von meiner Mutter damit beauftragt, diesen Topf für zweieinhalb Rupiah zu verkaufen. Ich setzte mich also an den Straßenrand und fing an zu tawarren: „Was kostet der Topf?“ „Fünf Rupiah!“ „Ein Rupiah ist mehr als genug!“ „Na gut, für vier Rupiah dann.“ usw. usw.

Am Ende des Tages war der Topf noch immer da. Meine Fähigkeiten beim Tawarren reichten nur bis 2 Rupiah 25 sen. Meine Mutter war empört. Sie wollte doch nicht mit dem Kochtopf unter dem Arm verreisen. Auch ich war enttäuscht: Ich hatte doch gewissenhaft versucht, meinen Auftrag zu erfüllen.

Die Fotos zeigen mich 1949 am Haustor mit meinem kleinen Bruder und 45 Jahre später, gemeinsam mit Tiny.
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