Marianne Müller
Eine Reise nach Oberitalien zu den Colli Morenici del Garda

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Ein Geburtstagsgutschein bescherte uns eine Woche in einem Agriturismo-Häuschen in der Nähe von Cavriana (1). Dieses Städtchen liegt im Süden des Gardasees auf einem der 17 Moränenhügel, die eiszeitliche Gletscher geschaffen haben. Cavriana ist ein kleiner, hübscher Ort (rund 4000 Einwohner) abseits vom Touristenrummel; es gibt unter anderem einen Krämerladen, 2 Bäcker, eine Pastificio (2) und einen Metzger - das waren die für uns wichtigen Geschäfte. Es gibt aber auch interessante historische Zeugnisse wie zum Beispiel das Kastell (3) und die Villa Mira, in der auch das Archäologische Museum untergebracht ist. (4) Die Gegend südlich des Gardasees wurde früh besiedelt und es gibt Spuren aus allen Zeiten. So konnten wir im Archäologischen Museum Cavriana Ausgrabungen der prähistorischen Pfahlbauten im Ortsteil Bande besichtigen. Dank der Zuschüsse aus einem europäischen Fond, wie uns der Museumsleiter stolz erzählte, kann hier gute Arbeit geleistet werden - Brüssel sei Dank.

In den Orten südlich des Gardasees gibt es zahlreiche Burgen, Kastelle, mittelalterliche Festungen. So schauten wir uns die Scaliger Burg in Valeggio (5) und den Ortsteil Borghetto an, ein ehemaliges Festungsdorf (6) mit der Brücke "Ponte Visconteo" ( 7). Dieses mittelalterliche Damm- und Brückenbauwerk, erbaut um 1400 vom Herzog von Mailand, sollte das Wasser des Mincio umleiten, um der Stadt Mantova das Wasser zu entziehen. In der Nähe von Valeggio sul Mincio besuchten wir den Parco Giardino Sigurta, eine wunderschöne, gepflegte Parkanlage (8, 9, 10). Da der Park so riesig ist, mieteten wir uns Fahrräder und radelten stundenlang darin herum.

Besonders eindrucksvoll war ein Besuch des Museums Santa Giulia in Brescia (11), das zum Weltkulturerbe gehört. Es bietet eine Zeitreise durch die Siedlungsgeschichte, angefangen bei prähistorischen Ausgrabungen, von den Kelten über die Römer bis in die heutige Zeit. In der Stadt Brescia gibt es noch einen Tempel (12), ein Theater, ein Forum aus der Römerzeit und eindrucksvolle mittelalterliche bzw. Renaissance-Bauten. (13)

In dieser schönen und fruchtbaren Gegend wurden leider zahlreiche Kriege geführt bzw. Schlachten geschlagen. Eine der blutigsten war die Schlacht bei Solferino am 24. Juni 1859. Im Rahmen der italienischen Befreiung (Risorgimento) kämpften italienische und französische gegen österreichische Truppen; Österreich unterlag. Wie allseits bekannt, war Henry Dunant, ein Schweizer Geschäftsmann, zufällig Zeuge der erschreckenden Zustände nach der Schlacht; er organisierte spontan Hilfe. Das war die Geburtsstunde des Roten Kreuzes (14) und später der ersten Genfer Konvention. "Sono tutti fratelli" - wahrhaft europäische Ideen, die weltweit Bedeutung erlangten.

Wir besuchten andere interessante Orte: Am Gardasee die Fremdenverkehrsorte Peschiera (15) und Desenzano mit römischer Villa und Volta Mantovana (16) mit Volta Lagusello (17) in ländlicher Umgebung.

Wir staunten darüber, wie gepflegt und gut situiert die ländlichen Gegenden hier wirken. Auf den Feldern wird Wein und Obst angebaut, auch exotische Früchte wie Kiwi, Khaki... Das Weinbaugebiet südlich des Gardasees heißt Lugana. Als Lugana bezeichnet man auch einen trockenen Weißwein wie auch einen Schaumwein aus dieser Gegend.

Wir waren hochzufrieden mit unserem Urlaub und kehrten mit 2 Kisten Wein aus der Cantina Colli Morenici heim; hier kann man den Wein auch wie an der Tankstelle mit Schläuchen abfüllen. Auf der Rückfahrt fuhren wir am malerischen Westufer des Gardasees entlang (18) und kamen auch zum Toblinosee; hier machten wir unser Picknick (19). Mit dem Blick auf die Burg von Toblino (20), die auf einer Halbinsel im Toblinosee liegt, kamen die Erinnerungen an unsere Ehemaligenreise 2008. Wir fuhren damals nach Trient, machten herrliche Ausflüge in die Umgebung und hatten ein wunderschönes Abendessen im Castel Toblino.

(Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Fotos oben und unten.)