Jos de Wit
Essen in Indonesien - eine Herausforderung

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Kann es oder kann es nicht? - Das war immer die Frage
 
Wenn man in Indonesien etwas essen will, ist immer die Frage, ob es vertrauenswürdig ist. Denn einmal das falsche Lokal erwischt, ist man tagelang ein treuer Besucher der Toiletten. Besonders, wenn man unterwegs ist, ist dies nicht immer eine angenehme, saubere Sache. Also sehr gut aufpassen, in welchem Lokal man isst!
 
Als meine Schwester, die in Indonesien wohnt, noch dabei war, hatte sie die Verantwortung für die Wahl. Das Ritual war immer das gleiche: Der Bus hielt irgendwann bei einer Essgelegenheit an, meine Schwester stieg aus und ging  hinein. Was sie da genau machte, war uns eigentlich egal, aber nach einiger Zeit kam sie wieder heraus mit einem Ja oder Nein. Auch bei Ja war es drinnen oft so einfach, ja selbst ärmlich, dass wir uns dann fast sicher waren, dass sie sich jetzt endlich mal geirrt hatte. Aber nein, sie hatte immer Recht.
 
Auf halbem Weg musste meine Schwester wieder zurück nach Jakarta, und wir fuhren weiter. Darum bekam ich am letzten Tag einen Schnellkurs für die Wahl einer geeigneten Essgelegenheit.
 
Schritt 1: Lauf sofort durch die Küche nach draußen und schau, ob da Strom und Wasser ist oder ob da Eimer zum Spülen stehen. Eimer bedeutete: Das Lokal wurde grundsätzlich nicht gewählt, auch wenn da mal acht (!) Eimer zum Spülen  standen.
 
Schritt 2: Wie sauber sieht es in der Küche aus? Küchen mit mehr als zwei Gasbrennern habe ich nie gesehen. Küchen mit Kakerlaken und selbst Ratten desto öfter. Ich fand es immer erstaunlich, dass man von außen sehr schwierig ahnen konnte, wie sauber es drinnen war.
 
Schritt 3: Wie sieht es mit den Servietten aus? Stoffservietten habe ich nie gesehen. Also war immer die Frage: Wie groß sind die Papierservietten? Ganze bedeutete: nach indonesischen Verhältnissen ein Spitzenlokal. Eine halbe Serviette stand für die gute Mittelklasse, und eine Viertel-Serviette bedeutete immer: Aufpassen! Denn auch wenn die ersten zwei Kriterien bestanden wurden, konnte man nie genau wissen, wovon die Gerichte gekocht wurden. Trotzdem habe ich später auch mal Viertel-Servietten-Lokale gewählt. Es war nie ein Fehler, und als Belohnung kam dann die Rechnung: Meistens nicht mehr als umgerechnet  € 15, natürlich für insgesamt acht Personen.

So lernte ich Indonesien noch besser kennen. Ein wunderschönes Land mit freundlichen Einwohnern, wo man gut (und für Holländer äußerst wichtig: sehr billig) essen kann.
 
Jos