Internationale Kunst im Pfaffenwinkel - Die STOA 169
Marianne Müller

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Unser schönes Oberbayern ist im letzten Jahr um eine besondere Sehenswürdigkeit reicher geworden: Bei Polling, einem Dorf mit Kloster im Landkreis Weilheim-Schongau, ist inmitten der Natur die STOA 169 entstanden, eine Kunsthalle mit vielen bunten Säulen. Gestaltet wurden diese von vielen Künstlern, Initiator der Anlage ist Bernd Zimmer, der uns schon als Maler durch Ausstellungen im „Buchheim Museum der Phantasie“ (Bernried am Starnberger See) bekannt war.

Vom Parkplatz, gelegen südlich von Polling an einer Schleife des Flusses Ammer, geht es zu Fuß ca. 30 Minuten am Fluss entlang durch den Wald, dann an Feldern vorbei und dann, nach einer Wegbiegung, steht das Bauwerk vor uns: Die
STOA 169 (Foto 1) Seine Bezeichnung „STOA“ verweist auf die Wandelhalle der griechischen Philosophen. Bernd Zimmer sagt zu diesem Kunstprojekt:“Es war mir wichtig, dass es an einem Ort entsteht, wo die Leute zu Fuß hingehen. Nicht mit dem Auto hinfahren, Konsum, und dann wieder wegfahren.“

In dieser Halle stehen bisher 81, nahezu vier Meter hohe Säulen; sie sind hochsymbolische Projekte, die von Künstlern aus den verschiedensten Teilen der Welt gestaltet wurden. Der deutsche Schriftsteller Tilman Spengler sprach bei der Eröffnung 2020 von einem
„Begehbaren Weltatlas.“ (Foto 2) - Bernd Zimmer: „Die STOA 169 setzt ein gemeinsames Zeichen für weltweit friedliche Koexistenz, Solidarität, Völkerverständigung und Achtung der Natur.“

„Für die Umsetzung der Idee einer Künstlersäulenhalle wurde die gemeinnützige STOA 169 Stiftung gegründet. Sie sorgt für den Zugang zur Halle und sichert ihren dauerhaften Erhalt.“ Der erste Bauabschnitt mit den 81 Säulen wurde im September 2020 eröffnet, die Eröffnung des zweiten soll 2021 stattfinden. Ursprünglich sollten es insgesamt 13 x 13, also 169 Säulen werden; jetzt sind 121 Säulen geplant. „Mir ist es wichtig, dass an diesem Ort die Einzigartigkeit der Natur gleichzeitig mit der Kunst wahrgenommen werden kann“ sagt Bernd Zimmer.

Stellvertretend für diese 81 Säulen schauen wir uns einige Beispiele an:
Die
Column von Peter Halley, USA (Foto 3), schon von weitem fällt die bunte Säule aus Quadern und Zylindern ins Auge. In einer antiken Stoa waren die Säulen alle gleich, in der STOA 169 ist jede Säule anders. Aber dieser Wald von unterschiedlichen Säulen trägt ein gemeinsames Schutzdach. Peter Halley sagt, „dies stehe für die Wichtigkeit, die wir heute der Einzigartigkeit und Individualität jedes Menschen innerhalb der Gemeinschaft beimessen.

Cosmos von Bernd Zimmer, Deutschland (Fotos 4 und 5) „Betrachten wir gemeinsam die Erde, unseren Planeten, aus dem All, den uns umgebenden Kosmos! Der Kosmos beinhaltet das Unwiderlegbare. Ein Planet, eine Menschheit, eine Zukunft. Wir sind Zeitreisende an einem Ort, den wir gerne besuchen…“

Subodh Gupta, Indien (Foto 6) verwendete für seine Säule lauter Küchenutensilien aus Edelstahl. Diese gewöhnlichen Objekte waren ab den 1970er Jahren in jedem indischen Haushalt zu finden. Der Künstler verteilte eines Tages diese Küchenutensilien auf dem Boden seines Ateliers und dachte: Das ist mein neues Werk! Diese Objekte hatten den Künstler in seiner Kindheit so beeindruckt, dass sie bis heute Gegenstand seiner Arbeit sind.

Message in a bottle, Willie Cole, USA (Foto 7) hat die Plastikwasserflaschen als Objekt der Unvereinbarkeit bestimmt. Zwar zerstört der Kunststoff die Natur, aber das Wasser ist lebensnotwendig für den Menschen.

Match von Bjørn Melhus, Deutschland (Foto 8): „Das Streichholz dient in zahlreichen Abbildungen immer wieder als Größenvergleich. Die spielerische Verschiebung von Dimensionen und der damit einhergehende Perspektivwechsel kann auch die eigene Position in der Welt und im Universum in Frage stellen.“

Die Akademiesäule (Foto 9), die Kosmo Kalimba ist eine Klangsäule, und wurde 2020 von einer Klasse der Akademie der Bildenden Künste München hergestellt. Durch Drehen mit der Hand wird sie zum Klingen gebracht, sie funktioniert wie eine Walzenspieluhr.“ Die Partitur der Cosmo Kalimba lässt den abendlichen Sternenhimmel des 17.11.750 n. Chr. erklingen, wie er vom Standpunkt der Säulenhalle aus zu sehen gewesen wäre.“ Zu dieser Zeit wurde auch das Kloster Polling von Herzog Tassilo III. gegründet.

Abschließend soll Bernd Zimmer nochmals zu Wort kommen:“ „Das Nebeneinander unterschiedlicher Vorstellungen von Kunst – gedacht und erfahrbar in der Form einer Säule oder Stele – zeugt vom Denken der Künstlerinnen und Künstler sowie in der STOA 169 vom Denken der Künstlerinnen und Künstler der bildenden Kunst in unserer Welt. Es entsteht eine Insel des freien Diskurses.“

Alle Zitate aus dem Begleitbüchlein (2020) entnommen. Die Fotos sind von Manfred Schmierl, Helmut Keim, Oliver Bodmer und dem „Kreisboten“.