Eine Ballonfahrt - oder: Der schwebende Holländer
Jos de Wit

Diejenigen, die treu die Website lesen und nicht an Demenz leiden, können sich bestimmt noch daran erinnern, dass wir zu unserem Geburtstag von unseren Kindern vier nummerierte Briefumschläge bekommen hatten, wovon wir schon drei geöffnet haben. Also, auch die Nicht-Mathematiker sind in der Lage, das auszurechnen: Es blieb noch ein Umschlag übrig.

Wir konnten uns auch noch an die Drohung erinnern: Ablehnen von Vorschlag 4 bedeutet: Dieses Jahr kein Geschenk! Neugierig öffneten wir den Umschlag, und zum ersten Mal gab es einen Vorschlag, der nicht sofort abgelehnt wurde: eine Fahrt mit dem Heißluftballon. Leider war es noch nicht so lange her, dass ein Ballon bei der Landung abgestürzt war. Ein anderer Ballon war nach der Landung plötzlich wieder hochgestiegen, mit einem Passagier, aber ohne Pilot. Aber das war letztendlich gut ausgegangen. Und so beschlossen wir, dieses Geschenk zu akzeptieren.

Da ich Ballone nur in der Luft gesehen hatte, hatte ich keine Ahnung, wie eine Fahrt anfing bzw. endete. Ich dachte, dass der Ballon abflugbereit von mehreren Ankern und vielen Sandsäcken am Boden gehalten würde, so dass die Passagiere einfach einsteigen konnten. Nach der Landung würde er dann von den gleichen Ankern und Sandsäcken wieder fixiert werden. Die Passagiere stiegen aus, und vorbei war der ganze Spaß.

Ich hätte etwas argwöhnisch werden sollen, als ich in der Einladung las, man solle damit rechnen, dass die Kleidung schmutzig werden könnte. Und die Warnung kam zurecht, denn es gab keinen fertigen Ballon, sondern einen Korb und eine große Kiste auf einem Anhänger. Wir wurden in einen VW Bus geladen und ab ging die Post zum Startplatz, einer Wiese, die durch den Regen sehr sumpfig geworden war. Also: Aussteigen, abladen, auspacken und ausrollen. Solch ein Ballon ist unglaublich lang, wenn er am Boden liegt (Bild 1). Dann wurde mit einem großen Ventilator zuerst kalte und danach warme Luft in den Ballon geblasen. Aber das funktioniert nur, wenn man die Unterseite hochhält. Und so stand ein gewisser Jos mindestens eine Stunde in Position (Bild 2), denn in einen Ballon geht sehr, sehr viel Luft hinein. Aber letztendlich konnten wir aufsteigen.

Wow! Das Wetter war herrlich. Es war zwar kalt, aber der Wind war schwach und die Sonne schien. Es ist fast unwirklich, wenn man in absoluter Stille über der Erde schwebt mit einem wunderbaren Blick auf die Alpen (Bilder 4 und 5), ab und zu unterbrochen durch das Geräusch der Flammen (Bild 3), die den Ballon wieder etwas höher steigen ließen.

Leider wurde der Wind stärker, als es Zeit war, zu landen. Und das bedeutete, dass der Korb bei der Landung kippte und wir lange horizontal über den Boden geschleift wurden. Aber auch das haben wir überlebt. Wir mussten selber alles wieder einpacken und auf den Anhänger laden, der jetzt weit entfernt auf einem Weg stand. Ganz nebenbei wurde mir eine Haarlocke versengt, aber ich wurde immerhin zum Baron erhoben (Abb. 6). Aber man darf ruhig beim nächsten Treffen noch immer „Jos“ zu mir sagen…