Abiturfeiern - gestern und heute
Jos de Wit
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Im Laufe der Zeit habe ich Abiturfeiern in vielen “Funktionen“ miterlebt. Erst als Lehrer, dann als Vater und zum Schluss als Opa.

Ich kann mich noch gut an die erste Feier 1984 erinnern. Es war überhaupt das erste Bac der Europäischen Schule München und fand in der Halle des (alten) Kindergartens statt. Die 13 Abiturienten, die Eltern und die Lehrer waren dort gemütlich beisammen, tranken und aßen etwas, unterhielten sich - und nach einer Stunde war die Feier vorbei.

Als ich als Elternteil das erste Mal 1988 dabei war, war solch eine Feier nicht mehr möglich, denn es gab wohl 40 Abiturienten. Es wurde beschlossen, die Feier in der Aula der Höheren Schule und in der Mensa stattfinden zu lassen. Alles wurde von den Eltern selber organisiert und getan: Vom Tische schleppen über den Getränkeverkauf und das Abwaschen bis zum Aufräumen. Alle Eltern sollte etwas zum Essen mitbringen. Eine Lösung, die auch bei den Lehrerfesten immer die schönsten Festessen bescherte. Das bedeutete viel Arbeit, aber am anschließenden Sonntag hatten alle nach der gelungenen Feier ein gutes Gefühl.

Zwei Jahr später waren die meisten Eltern nicht mehr bereit, die viele Arbeit auf sich zu nehmen und man ging nach der Diplomüberreichung außerhalb der Schule irgendwohin zum Essen. Ich weiß noch, dass das Motorama (gegenüber dem Geiselgasteig) noch reichte.

Ich sage: noch reichte, denn das Essen sollte jedes Jahr anspruchsvoller (und teurer) werden. Und so landete ich das letzte Mal als Vater im Hilton.

Für mich rückte die Abifeier wieder ins Bild, als der erste Enkel an der Reihe war. Es hatte sich viel verändert: Jeder Schüler bekam für die Diplomüberreichung drei Karten, mehr Personen durften nicht mit, also konnte Opa nicht hinein in der Turnhalle. Von einem gemeinsamen Essen war überhaupt nicht mehr die Rede. Ich schätze, dass man nach dem Bayerische Hof keine Möglichkeit mehr sah, sich zu steigern.

Auch dieses Jahr konnte Opa nicht mit. Wegen Corona fanden die Feierlichkeiten im Autokino im Aschheim statt. Und dort wurden pro Schüler nur zwei Autos zugelassen. Da selbst Holländer keinen Wohnwagen mitnehmen durften, gab es für Opa auch diesmal keinen Platz.

Wenn ich alles noch einmal nachlese, habe ich den Eindruck, dass es früher etwas persönlicher und angenehmer in der Schule war.

Jos

P.S. Im Bayerischen Rundfunk wurde von der Abifeier 2020 ein
Bericht gezeigt
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