Zufall? Gedanken eines ehemaligen Sportlehrers zu Corona
Jos de Wit
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Schüler der Europäischen Schulen sollten zu echten Europäern erzogen werden, ohne ihre eigene Nationalität aus den Augen zu verlieren. Dass die Schüler ihre eigene Nationalität nie aus den Augen verloren, wurde in den höheren Klassen der Oberschule beim Fach Sport deutlich, besonders bei den Jungen.

Deutsche Schüler wollten immer genau die Regel wissen und hatten Schwierigkeiten, wenn diese Regel während des Spiels geändert wurde. Sie fanden dann auch die niederländischen Spielchen (ohne Regeln) zwar blöd, aber meistens überhaupt nicht lustig.

Die Franzosen arbeiteten immer brav mit, wenn der Lehrer anwesend war, aber schalteten sofort ab, wenn dieser nicht dabei war. Die Engländer fanden alles “boring“, was nicht englisch war. In den Schulmannschaften sah man selten Engländer, es sei denn, die Sportart war Fußball.

Niederländer stellten immer als erstes die Frage: Warum? Wenn der Lehrer das Warum gut erklären konnte, hatte man mit den Niederländern kein Problem mehr und man konnte sie ruhig ohne Aufsicht spielen lassen.

Die Konversation zwischen Italienern war nicht nur laut, sondern sehr laut. Am Anfang dachte ich: Worüber streiten die denn eigentlich? Es stellte sich dann heraus, dass sie einfach über Alltägliches, z.B. über das Wetter, redeten.

Ist es Zufall, dass ich viele dieser Merkmale in der heutigen Coronazeit wiederentdecke? Der Lockdown in Deutschland ist sehr genau definiert. Die Maßnahmen sind exakt beschrieben. Alle Geschäfte sind zu, außer Lebensmittelläden und Apotheken.

Die Franzosen muss man immer kontrollieren. Darum redet Macron selbst von Krieg. - England, so wurde am Anfang behauptet, sollte überhaupt keine Probleme mit dem Coronavirus geben, denn das Englische Gesundheitssystem (NHS) ist angeblich das beste der Welt.

In Holland hat man das intelligente Lockdownsystem. Verhältnismäßig viel wird der Vernunft der Menschen überlassen, und da die (meisten) Leute die Maßnahmen verstehen und daher akzeptieren, bleiben z.B. alle Geschäfte geöffnet. - Die Italiener schreien Zeter und Mordio, da andere Länder in ihren Augen nicht solidarisch sind.

Und so sehe ich vieles wieder so ähnlich, wie ich es auch in der Europäischen Schule erlebt habe. Trotz aller Unterschiede: Die Unterrichtsstunden in der ESM verliefen fast immer gut, also habe ich auch noch gute Hoffnung für Europa.

Jos de Wit