Ankunft in Semarang - oder: Ich möchte meine Nagelfeile zurück
Jos de Wit


Als wir, gestartet von Karimunjawa, auf Semarang landeten, war etwas passiert, was die Lufthansa noch nie geschafft hat: Wir waren sogar noch vor der offiziellen Abflugzeit gelandet. Und da es nur acht Passagiere gab, brauchte man nicht, so wie üblich, ewig auf die Passagiere zu warten, die näher am Ausgang saßen: Sie holen in der Regel in aller Ruhe ihre Koffer aus dem Gepäckfach, ziehen dann noch ruhiger ihre Jacken an und schlendern dann erst zum Ausgang. Wenn man dann endlich beim Gepäckband ankommt, dauert es trotzdem ewig, bevor das Band anfängt zu laufen, und noch länger, bevor die ersten Koffer erscheinen. Ich weiß nicht warum: Meiner ist nie dabei!

All das sollte uns doch jetzt erspart bleiben: Kein Warten im Flugzeug, kein Warten am Gepäckband... In Karimanjawa hatten wir gesehen, dass nur ein Koffer und eine Nagelfeile in den Frachtraum geladen wurden. Dann kann Ausladen doch nicht so lange dauern - dachten wir...

Es dauerte nicht bloß lange, sondern sehr lange, bevor das Band anfing, sich zu bewegen. Aber trotzdem kam nichts. Später, sehr viel später, die offizielle Ankunftszeit war schon längst vorbei, erschien zwar ein Koffer, aber keine Nagelfeile.

Und als das Band wieder angehalten wurde, war es uns, den schlauen Holländern, klar, dass die Feile so nie kommen würde. Zum Glück war in der Halle ein Schalter, an dem „Informasi“ stand. Es ist erstaunlich, dass es in Indonesien, obwohl es schon mehr als 70 Jahre unabhängig ist, noch so viele niederländische Wörter gibt.

Dass wir „Informasi“ lesen konnten, war schön, aber half uns nicht weiter, denn am Schalter saß niemand. Vielleicht wurde der Mitarbeiter nach Karimunjawa geschickt, um da bei der Abfertigung zu helfen? In der ganzen Halle war niemand zu sehen, außer einem Kontrolleur an der Ausgangstür. Aber der war - natürlich - nicht zuständig für den Informasischalter und hatte - auch natürlich - keine Ahnung, ob es überhaupt jemanden für den Schalter gab. Was er allerdings wusste: Wenn man die Halle verlässt, kommt man nie mehr hinein. Es sei denn, man fliegt erst nach Karimunjawa und dann wieder zurück. Was nun? Wir hatten schon so viel Zeit verloren, dass wir jetzt erst recht darauf bestanden, unsere Nagelfeile zurück zu bekommen.

Also warten. Und tatsächlich: Letztendlich erschien jemand. Was meine Schwester auf Indonesisch zu dem Mitarbeiter gesagt hat, weiß ich nicht, aber es hörte sich nicht unbedingt freundlich an. Natürlich hatte der Mann keine Ahnung. Aber er fing an zu telefonieren. Kein Erfolg! Dann kroch er über das Gepäckband nach hinten, um zu gucken, ob noch etwas auf dem Band lag. Kein Erfolg! Denn er kam an der anderen Seite des Bandes wieder mit leeren Händen zum Vorschein. Es gab nur noch eine Möglichkeit: Den Schalter für Fundsachen. Aber dazu mussten wir durch die Tür hinaus. Aber dann kam man ja nicht mehr herein, es sei denn, man fliegt erst wieder nach Karimunjawa.

Aber da das Fundbüro die letzte Möglichkeit war, (meine Schwester fand es überhaupt keine Möglichkeit und sinnlos, dorthin zu gehen) gingen wir dennoch dorthin. Und siehe da: Auch in Indonesien geschehen Wunder: Das Büro war besetzt, und noch erstaunlicher: die Feile war da.

Und so hatten wir nach drei(!) Stunden alles wieder komplett. Aber Zeit spielt in Indonesien nie eine Rolle. Aber das ist für uns Europäer schwierig zu verstehen und – erst recht nicht: zu akzeptieren.