Braucht der Flughafen "Franz Josef Strauß" 94.500 Mitarbeiter?
Jos de Wit
Diejenigen, die unsere wunderbare Website immer treu lesen und noch nicht sehr vergesslich sind, können sich bestimmt noch erinnern, wie schwierig es war, aus Karimunjawa (Indonesien) wegzukommen. Letztendlich gelang es mit dem Flugzeug.

Als wir beim Flugplatz ankamen, wurden wir mit Trillerpfeifen durch zwei Parkwächter begrüßt, natürlich in Uniform. Es ist erstaunlich, wie viele Leute in Indonesien in Uniform , immer mit Trillerpfeifen, herumlaufen. Oft ist das sehr nützlich, wenn man z.B. aus einer Seitenstraße auf eine volle Hauptstraße fahren will, denn die Uniformierten stellen sich einfach auf die Straße, so dass man einfahren kann. Man merkt zugleich, dass es auch in Indonesien Inflation gibt. Früher reichten 500 Rupiahs (=3 Ct), jetzt erwarten die Uniformierten schon 2.000 Rupiahs (= 12 Ct).

Am Flugplatz war eigentlich nichts zu regeln. Denn es gab mindestens 100 Parkplätze. Davon war einer mit zwei Rollern besetzt, aber trotzdem wurde gepfiffen und geregelt, und auch wurden Rupiahs erwartet.

Dann fing das Einchecken an. Draußen saßen an drei Tischen drei Männer, die alle drei genau das Gleiche machten: Pässe und Tickets kontrollieren: Die Tickets mit den Namen auf der Passagierliste vergleichen und dann, wenn alles stimmte: einen Stempel geben. Das wurde tatsächlich drei Mal bei jeder Person gemacht.

Neben diesen Abfertigungstischen stand an der Eingangstür der nächste Kontrolleur, der anfing, unsere Tickets mit der Passagierliste zu vergleichen, und da alles stimmte, durften wir ins Terminal. Wir wurden sofort durch eine weitere Person angehalten, die anfing zu erklären, was wir zu tun hatten. Als wir nach zwei Versuchen fragten, ob es möglich sei, jemand zu sprechen, der Englisch sprach, kam die überraschende Antwort: „It was in English!“

Vor dem Gepäckscanner standen zwei Hingucker. Sie taten nichts – außer gucken, aber waren sicherlich sehr wichtig. Hinter dem Schirm saßen zwei Beobachter, und tatsächlich fanden sie eine Nagelfeile, die aus dem Gepäck musste. Die Nagelfeile wurde schön eingepackt und auf einen Rollwagen, auf dem sich schon ein Koffer befand, gelegt.

Wir mussten unterdessen durch den Körperscan, und so wie immer begann das Gerät bei mir zu piepsen. Ich wurde sofort von einem der drei (warum drei?) Kontrolleure kontrolliert, und wieder gab es Gepiepe. Bevor ich den Grund erklären konnte, musste ich alle Hosentaschen ausleeren, aber noch immer machte es piep-piep-piep. Meine Erklärung, dass der Grund eine neue Hüfte sei, hätte ich auch einem der anwesenden Affen sagen können, denn...

Alle vier(!) Mann hinter dem Transportband hinter dem Scanner sahen zu, ob wir alles wieder richtig einpackten, ohne selbst etwas zu tun. Und fertig war alles.

Da man keine Abflugzeit mitgeteilt hatte, waren wir viel zu früh. Ich musste zur Toilette. An der Tür stand natürlich jemand, der mein Ticket kontrollierte. Hinter der Tür stand wieder jemand, der...

Als ich fertig war, konnte ich nicht durch die gleiche Tür zurück, sondern musste erneut durch die Eingangstür, wo mein Ticket kontrolliert wurde. Natürlich war man wieder erstaunt, dass der Scanner piepste.

Als das Flugzeug da war, waren 6 Männer damit beschäftigt, ein Seil zu spannen, so dass die Passagiere nicht ihren Kopf am Flugzeug stoßen konnten. Sechs weitere Männer kamen mit einem Rollwagen, um das gesamte Gepäck (ein Koffer und eine Nagelfeile) zum Gepäckraum zu bringen. Zum Glück kam auch noch jemand die Passagierliste bringen.

Ich habe nachgezählt: Für diesen Flug waren 31 Personen beschäftigt. Und wenn man weiß, dass immer nur ein Flugzeug pro Tag landete - und das nur höchstens viermal in der Woche, fällt auf, dass am Flughafen München „Franz Josef Strauß“ im Verhältnis „etwas“ weniger Mitarbeiter sind. Ich habe ausgerechnet (Ja, man war und bleibt Mathelehrer!), dass man in München, will man pro Flug und pro Passagier die gleiche Zahl Mitarbeiter zur Verfügung haben, 94.500 Helfer braucht. Ich denke, ich gehe demnächst mal nachzählen...