Präpositionen
Jos de Wit
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Mit-nach-nebst- ...
„Opa, da liegt ein Osterei unter DEM Baum“, sagte die Enkelin zu mir beim Ostereier suchen. Seit meiner Schulzeit frage ich mich immer noch: Warum DEM? DEM bedeutet 3. Fall (Über Dativ oder Akkusativ wurde bei mir in der Schule nie geredet). Männlich oder sächlich? Baum ist männlich, also brauche ich die Reihe mit Präpositionen für den 3. Fall.

Und ohne zu zögern kommt sofort: mit-nach-nebst-samt-bei-seit-von-zu-zuwider-entgegen-aus-außer-gemäß-binnen-gegenüber. Erstaunt wiederhole ich die Reihe nochmal, aber es gibt tatsächlich kein UNTER.

Dann wird es schwierig, aber es gibt ja auch noch eine Reihe mit dem 3. oder 4. Fall. Und wieder fange ich sofort an mit: an-auf-hinter-neben-in-über-unter-vor-zwischen und wirklich, da ist UNTER dabei. Dann kommt die nächste Regel: Wann gibt es den 3. und den 4. Fall? Dann gilt: Ist keine Bewegung im Spiel, kommt der 3. Fall, und sonst der 4. Fall.

So, „Das Osterei liegt unter DEM Baum“ stimmt, denn es liegt und bewegt sich nicht! Ich frage mich ständig, warum alle Deutschen (na ja, auch in Bayern?) es ohne zu zögern immer richtig sagen, obwohl sie noch nie von meinen Reihen gehört haben. Und das fängt schon an bei der Enkelin von 7 Jahren alt, die Deutsch als Fremdsprache in der Schule hat.


PS: Ich habe in Deutsch so viele Reihen mit Wörtern (stand auch in einer Reihe!) mit Ausnahmen lernen müssen, dass ich mich immer gefragt habe: Gibt es auch Wörter ohne Ausnahmen?

Jos de Wit